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richtige Haltung - Boxenhaltung oder Offenstall

Wutzlhof - der Bewegungs & Offenstall. Das Beste fürs Pferd
Herausgegeben von in Art der Haltung ·

Welche Haltung für Ihr Pferd?
Die richtige Haltung für Sport- und Freizeitpferde

Wann konnte Ihr Pferd das letzte Mal in der Sonne liegen und schlafen? Was für viele Pferdebesitzer ein seltener Anblick ist, sollte eigentlich ‚ganz normal' sein. Eine an der Natur orientierte Pferdehaltung ist in Deutschland zwar kein Fremdwort mehr, eine Selbstverständlichkeit aber leider auch noch nicht. Rika Schneider fragte Experten, warum der Offenstall nicht für jedes Pferd geeignet ist und wieso Wind und Kälte fit machen können.

Ganztags auf der Weide, nachts in der Box, im Offenstall, 24 Stunden eingestallt, mit oder ohne regelmäßigen Trainingseinheiten - die Pferdehaltung in Deutschland orientiert sich oft daran, was in der jeweiligen Reitweise üblich ist, ‚was man halt schon immer so macht.'
"Ganz gleich was für ein Pferd man hat oder in welcher Reitweise man zuhause ist, die Schlaf-, Bewegungs- und Fressstätte sollte sich immer an den individuellen Bedürfnissen der Pferde orientieren", rät Jochen Schumacher, der nach langjähriger Leitung des FS-Zentrums Reken einen fundierten Einblick in die Bedürfnisse der einzelnen Rassen und auch in die der Pferdebesitzer bekommen hat. "Es gibt keine allgemein gültige Regel wie ‚alle Pferde müssen in den Offenstall'. Es muss ganz individuell entschieden werden: Der Vollblüter, der mit einer Gruppe Robustpferden in einem Offenstall steht wird als Herdentier bei seinen Artgenossen bleiben. Dass heißt, wenn diese in Wind und Regen mitten auf der Weide anstatt im Unterstand stehen, wird der Vollblüter, der vielleicht aus einer Boxenhaltung kommt und ein dünneres Fell hat, dies auch tun. So ein frierender Kandidat wäre besser in einer anderen Gruppe oder nachts in der Box untergebracht", erläutert der Haltungsexperte.

"Damit sage ich nicht, dass Boxenhaltung artgerecht ist, sondern nur, dass Pferde individuell in ihrem Gefüge betrachtet werden sollten. Für den Vollblüter wäre eine Gruppe Gleichgesinnter in Offenstallhaltung natürlich optimal. Ausprobieren, Umstände ändern und die Bedürfnisse des eigenen Pferdes herausfinden sollte im Vordergrund stehen. Da Luft, Licht und Wetter unabdingbar für ein gesundes Pferd sind, sollte eine Haltung, die dies auch bietet, angestrebt werden.

Folgende Punkte sind dabei wichtig:
• Eine verträgliche, stabile Herde
• genügend Platz zum Laufen, Spielen und um einander aus dem Weg zu gehen (Vollblüter oder Warmblüter brauchen oft mehr Platz zum Laufen
• Unterstand mit drei geschlossenen Seiten und zwei Eingängen oder mehrere Unterstände (je nach Größe und Verträglichkeit der Gruppe)
• Korrekte Haltungsbedingungen wie ein nicht zu matschiger Untergrund, sichere Zäune, genügend und aufgefüllte Tränken, Raufutter, das in Raufen oder mehreren Stapeln gefüttert wird, Weiden etc.


Hitze & Kälte: gesund für Sport- und Freizeitpferde
"Pferde brauchen Hitze und Kälte", betont Dr. Barbara Rauch der Pferdeakademie in Köln. "Um optimale Bedingungen für Sport- oder Freizeitpferde erkennen zu können, sollte man sich kurz vor Augen führen, wie das Pferd in Freiheit lebt, wofür es ausgerüstet ist und wofür es keine Mechanismen hat: Pferde sind Steppentiere und keine Höhlen- oder Waldbewohner. Die Steppe bietet wenig Schutz durch Bäume oder Geländeformationen. Sie bedingt große Temperaturschwankungen, im Verlauf der Jahreszeiten, aber auch zwischen Tag und Nacht mit einem Unterschied von bis zu 40 Grad Celsius, weiterhin viel Licht und volle Sonneneinstrahlung, Wind, Regen und Schnee.

Pferde haben eine sehr gute Hitze- und Kältetoleranz. Ihre Thermoregulation funktioniert kurzfristig durch Schwitzen, Aufstellen des Fells und über veränderte Durchblutung im Kapillarsystem der Haut, langfristig über Fellwechsel und Fettschicht. Dabei sind sie es gewöhnt, dass es nachts viel kälter ist als tags, und dass sie ständig mehr oder weniger Wind und Frischluft haben. Pferde können Kälte, Temperaturschwankungen, Wind und Klimareize nicht nur gut vertragen, sondern brauchen sie für ihre Abhärtung und für ihr Training. Rote Blutkörperchen müssen als Sauerstoffüberträger gebildet werden, was ein gleichsinniger Trainingseffekt ist."

Boxenhaltung kann krank machen
"Pferde haben keinen Schutz gegen alles, was sich in stehender Luft ? also in schlecht belüfteten Stallungen ? ansammelt, da dies in der Natur für sie nicht vorkommt: dauerhaftes erhöhtes Aufkommen von Schadgasen, Staub und Krankheitserregern, Parasiten sowie gegen Zugluft", erläutert die Tierärztin und Haltungsexpertin. "Die bei Matratzenstreu entstehenden Ammoniakdämpfe greifen das empfindliche Lungengewebe der Pferde an und zerstören es langfristig. Lungengewebe vernarbt und kann sich nicht wieder erneuern. Ebenfalls in der ‚Matratze' bei Luftabschluss entsteht Schwefelwasserstoff, das die roten Blutkörperchen verändert und damit den Sauerstofftransport hemmt. Beides ist als Anti-Trainingeffekt zu bewerten. Jeder kennt auch Heustauballergien, chronische Bronchitis bis hin zur Dämpfigkeit."

Ein Sportpferd ist kein Wildpferd - was ist gesund?
"Wieder einmal steht da die Betrachtung des Individuums im Vordergrund", erinnert Schumacher. "Pferde sind keine Menschen, müssen nicht nonstop in Deckchen gehüllt und in Watte gepackt werden. Wer aber dennoch sein wertvolles Sportpferd nicht in der Gruppe halten möchte, kann Kompromisslösungen finden: Ganzjährig - mit oder ohne Decke - in einer Paddockbox oder tagsüber auf einem Auslauf und nachts in der Box, im Sommer so viel wie möglich auf der Weide. Artgenossen sollten immer in Sichtweite sein." Dr. Rauch fügt hinzu: "Bewegung im Freien hält fit. Also auch das Sportpferd verbessert dadurch seine Bewegungsabläufe und seine eigenen Körperabwehr."

Probleme in der Gruppe entstehen meistens durch zu wenig Platz und unachtsames Zusammenwürfeln der Pferde und durch zu hohe Fluktuation. Jochen Schumacher stellt einen Neuling erst einmal alleine, mit Blickkontakt zu den anderen, auf einen Auslauf, der es erlaubt, die anderen zu sehen und zu riechen. "Das Neue Pferd kann seine neue Umgebung mit seinen Sinnen wahrnehmen, sich daran gewöhnen. Nach einigen Tagen stelle ich es auf einen größeren Auslauf zusammen mit einem nicht ganz ranghohen aber auch nicht mit einem rangniedrigen Pferd. Denn dieses könnte sich in dieser Zweierkombination als Boss aufspielen. Meist bietet sich ein netter ‚normaler' Wallach an. Wenn die zwei gut mit einander klar kommen, stelle ich sie zusammen in die Gruppe." Für einzelne Pferde sollte eine neue Gruppe gefunden werden, wenn sie 1) immer wieder Ärger machen und Unruhe in die Herde bringen (massives Treten, beißen, verjagen), 2) sie aus Altersgründen von der Herde ausgestoßen werden oder zu stark beansprucht werden und 3) wenn sie trotz zahlreichen Heuraufen nicht genug Nahrung aufnehmen können.

Kompromisse im Einstallerbetrieb
Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich die Paddocks und Stallungen so zu bauen wie erwünscht. Doch Jochen Schumacher würde nur kleine Kompromisse eingehen: "Wenn ich darüber nachdenke, wie viel Geld Pferdebesitzer für haltungsbedingt kranke Pferde ausgeben (Husten etc.), dann ist es manchmal günstiger in einen Stall zu Wechseln, in dem die Haltung besser ist. Nicht nur bleibt ihr Pferd gesünder, auch mental ist es in einem luftigen und hellen Stall fitter.

Sprechen Sie mit Ihrem Stallbetreiber und seien Sie geduldig, denn es kann einige Zeit dauern bis sich etwas ändert. Dass der Bauer nicht von heute auf morgen aus seinem reinen Boxenstall einen Offenstall machen kann sollte Ihnen klar sein. Aber vielleicht baut er schon mal einen Winterauslauf, auf dem Pferde stundenweise toben können. Im nächsten Jahr baut er dann vielleicht einen größeren für eine Gruppe etc. Man kann die Einstellung vieler Betreiber nicht einfach umstellen, aber man kann daran arbeiten. Ist der Stall aber sehr schlecht und gesundheitsschädlich für Ihr Pferd und ist keine Besserung in Sicht, sollten Sie sich nach einer neuen Anlage mit artgerechter Haltung umsehen -Ihrem Pferd zuliebe.








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